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  • Andreas Haslauer

SCHMECKEN MUSS ES!

Aktualisiert: 1. Apr 2019

Pastinake statt Pasta. Früher haben sich Spitzensportler jeden Tag noch Tonnen an Nudeln in sich hineingeschaufelt. Aus ernährungstechnischer Sicht ist das heute der Super-GAU. Hier erklären Experten was Hobby-Sportler beim Essen beachten sollten.

FOTO: Sebastian Stiphout


Weniger ist mehr. Das war schon immer die Devise von Fabian Cancellara. „Früher haben wir uns noch Berge an Pasta in uns reingestopft“, sagt der vierfache Weltmeister. Bis er Bjarne Riis kennenlernte. Sein damaliger Rennleiter stellte die Ernährung seines Teams komplett um. „Ab dem Zeitpunkt haben wir uns extrem gesund und extrem ausgewogen ernährt“, so Cancellara. Und dabei stets die goldene Regel beachtet: „Lieber Qualität statt Quantität.“ Lieber mehrere und kleinere Portionen, als wenige Pasta-Partys im XXL-Format.



HIER kocht die chefin persönlich. "Vroni", die food-expertin beim radstall Bora-hansgrohe




FOTO: Sebastian Stiphout


Nudeln sind aus ernährungstechnischer Sicht ohnehin der absolute Super-GAU. „Weißmehl ist Weizen und Weizen enthält Laektin. Das wiederum ruft Entzündungen hervor. Aus diesem Grund gibt es bei uns gar keine Nudeln“, erklärt Veronika Siflinger-Lutz. Die Frau muss es wissen. Sie ist die Chefköchin bei Bora Hansgrohe – das Rennradteam um Weltmeister Peter Sagan. Sollte aber einer ihrer Jungs mal das Bedürfnis nach Spaghetti Pomodoro nach einer langen und harten Tour haben, dann bekommt er eben Spaghetti Pomodoro.


„Das ist bei Sportlern und Nicht-Sportlern ja gleich: wenn es mir nicht schmeckt, bin ich nicht glücklich und wenn ich nicht glücklich bin, bringe ich keine Leistung. Also sorge ich dafür, dass es meinen Jungs jeden Tag schmeckt und sie jeden Morgen glücklich auf ihr Rennrad steigen“, philosophiert die Chefköchin.

Aber auch „Ab-und-zu-mache-ich-auch-mal-Sport“-Athleten und Ausdauer-Freaks sollten dennoch unbedingt darauf achten was sie essen, Meeresfrüchte, Weißmehl, Zucker – das steht alles auf der Verbotsliste der resoluten Köchin.


Das Problem, sagt Ecos Reha-Chef Marc Lechler, sei, dass die Leute „viel zu viel und viel zu unregelmäßig“ essen würden. Wie sieht denn der Alltag eines Büromenschen aus? Lechler, der sich mit seinem Unternehmen auf Rücken-Therapie und Knie-Reha in München spezialisiert hat, erklärt: der Deutsche stehe auf, putze Zähne und frühstücke erst einmal: Viel Kaffee, viele weiße Brötchen, viel Butter und viel Marmelade. Dann wird mit dem Auto (selbstverständlich geht es mit dem Aufzug runter) aus der Tiefgarage gefahren. In die Arbeit. Natürlich Tiefgarage zu Tiefgarage. Dort gibt es etwas später, so gegen zehn Uhr, das zweite Frühstück. Eine Butterbrezel oder ein Croissant. Für Lechler, den Spezialisten der Phsysiotherapie München, ein Unding.


Schließlich dauert es ja noch zwei Stunden bis zur Mittagspause. Dort wartet auf ihn erst die „gesunde“ Currywurst mit Pommes und der „nahrhafte“ Schoko-Pudding. Dann am Nachmittag schnell eine Zimtschnecke essen. Nicht, dass das „Drei-Uhr-Zucker-Loch“ kommt. Mit dem Auto geht es dann um fünf Uhr wieder von Tiefgarage zu Tiefgarage. Nach Hause. Vielleicht hält man noch schnell beim Metzger an. Eine deftige Wurstplatte gehört schließlich zusammen mit den zwei Bier zum Alltag. „Am Ende des Tages haben sich dann die Leute tausende an Kalorien in sich reingestopft – bei fast null Bewegung“, schimpft Lechler. Und selbst wenn die Leute sich ändern, gehe das meist nicht gut.


„Entweder sie essen dann schlagartig jeden Tag drei Packungen Studentenfutter oder trinken zwei Liter Smoothie“, so Lechler. Beides absolute Kalorien-Bomben! „Die Leute sollten einfach auf ihren Körper hören und ihren gesunden Menschenverstand einschalten“, fordert Lechler. Allein die zwei Bier am Abend seien umgerechnet mehr als 160000 Kalorien im Jahr. Oder anders ausgedrückt: fast 24 Kilo pures Fett. Zwar wissen nach wie vor viele Deutsche nicht wie man sich gesund ernähren soll, aber auch in Sachen Ernährung hilft die Ecos Reha und sein Team gerne weiter. Und zwar liebend gerne. Schließlich ist Lechler viel mehr als nur Dein Trainer. Er ist Dein Wegbegleiter und Ratgeber, wenn es um Deine Gesundheit geht.


Geht es nach der „Vroni“, dann gehört ganz oben auf den Cyclisten-Speiseplan (und auch allen anderen) ihr Allerheilmittel Ingwer. „Es ist für den Magen gut, gleichzeitig enthält es viele Vitamine und Mineralstoffe. Wie man diese zu sich nimmt, ist eigentlich völlig egal. Ob morgens als kleinen ‚Shot’ oder als ‚Smoothie’. Vor allem bei langen Rennen fährt der Körper extrem runter. Da ist es wichtig, dass der Magen wirklich immer gut funktioniert. Und das macht er mit Ingwer“, so die Ex- Leistungsschwimmerin. Neben Ingwer sollte auch Avocado jeden Tag auf den Tisch kommen, weil sie gesunde und „tolle Fette“ habe. Ebenso die Wunderwurzel rote Beete.

Wie sieht der richtige Speiseplan aber nun genau aus? Für Siflinger-Lutz ist der Eisen-Wert für die Ausdauer-Freaks und „ganz normalen Menschen“ von immens hoher Bedeutung. Deshalb bekommt Peter Sagan als erstes in der Früh Haferflocken mit Beeren. Siflinger-Lutz: „Beeren sind immer besser als anderes Obst wegen der Fructose. Fructose ist eine der wenigen Zuckerarten, die über die Leber abgebaut werden. Ähnlich wie Alkohol. Deswegen mehr Beeren und weniger Obst.“


FOTO: Sebastian Stiphout


So macht es auch beispielsweise Fabian Cancellara noch heute. Bevor er sich auf seine Rennsemmel schwingt, gibt es zum Frühstück entweder Porridge oder Müsli. Dazu ein Vollkornbrot mit Puten-Wurst, hinterher eine Papaya. „Das habe ich immer gegessen als ich Weltmeister wurde“, so Cancellara über sein kohlenhydrathaltiges „Sieger“-Frühstück.


Während Cancellara Teams noch Kuhmilch tranken, ist es heute in den meisten Rennställen gänzlich tabu. Auch bei Bora. Einerseits ist Kuhmilch zwar ein guter Lieferant für Eiweiß und Kalzium. Andererseits auch ein Lieferant von Säure. Und Das ist schlecht. „Wir bei Bora setzen auf Schafs- und Ziegenmilch, weil diese Milchsorten eine völlig andere Milchzuckerzusammensetzung haben“, so Siflinger-Lutz.

Verpönt ist auch Essig. Warum? Essig habe wie Mineralwasser einfach zu viel Säure. Bei Bora verwenden sie deshalb für die Salatsauce stets nur Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer. Fertig. Und ganz wichtig. Bitte immer nur kaltes Olivenöl essen, liebe Sportler! Wenn man etwas anbrät, dann laut der Bora-Köchin nur mit Kakaobutter oder Kokosöl.


Für die Salatsauce wechselt sie ab: mal Olivenöl, mal Leinöl, mal Walnussöl. Das ist dann nicht nur geschmacklich variabel. Am besten sei jedoch Leinöl, weil es eine optimale Balance zwischen Omega3 und Omega6 habe, beides essentielle Fettsäuren. Genauso macht es Cancellara. Abends gibt es einen bunten Salat mit einem guten Stück Fisch oder Geflügel, rotes Fleisch hingegen eher selten.


Super Food findet die Vroni trotz des aktuellen Hypes etwas schwierig. „Warum sollte ich Fan von etwas sein, dass am anderen Ende der Welt wächst?“, fragt Siflinger-Lutz. Sie erklärt es an einem einfachen Beispiel: Zusammen mit ihren Kids wohnt sie in Riedering, das ist ein paar Kilometer von Rosenheim entfernt. Hier gibt es unter anderem so genannte Ackerschachtelhalme. Da ist ganz viel Kieselerde drinnen, ist gut für Haut und Haare, für Knochen und Sehen. Das wächst in ihrer Region. „Da brauche ich nicht unbedingt irgendwelche Extrakte von irgendwelchen Stämmen aus irgendwelchen Tiki-Taka-Ländern“, echauffiert sie sich. Hobby-Sportler sollten sich viel lieber auf eine fett- und kohlenhydratarme Ernährung konzentrieren, so Vronis Vorschlag.


Teufelszeug ist und bleibt Zucker. Und wie! Einerseits schnellt der Blutzuckerspiegel bei Snickers und Twix nach oben, genauso schnell rauscht er aber auch wieder in die Knie. Deshalb sei es immer schlauer, wenn der Blutzuckerspiegel langsam und stetig ansteige und dann ganz langsam wieder abfalle. Die Alternative? Eigene Power-Riegel backen! Einfach Trockenobst, Haferflocken und Nüsse zusammenmixen, Kakao und Datteln dazugeben – und fertig ist der eigene Riegel.



Heute sehen es Alt-Weltmeister wie Fabian Cancellara ohnehin gelassener. „In den vergangenen Jahren haben wir oft unseren Kühlschrank geplündert, sind bei uns in Ittingen in der Nähe an den Fluss gefahren und haben abends gegrillt“, erzählt Cancellara. Man brauche schließlich nicht viel zum Leben: ein gutes Stück Fleisch, ein bisschen Salat und Gemüse, ein schönes Glas Weißwein. So etwas tue gut. „Vor allem heutzutage, weil ich mittlerweile auch mal eine zweite oder dritte Wurst auf den Grill legen kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“, sagt Cancellara grinsend. Und dann entspannt von der Grill-Party mit dem E-Bike zurückfahren. „Das ist meine Definition eines erfolgreichen und glücklichen Sommertages“, frohlockt Cancellara.


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